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Zollkantine Überseefestival
Patrick Schulze

Stadtteilköpfe: Interview mit André Stuckenbrok von der Musikszene Bremen

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„Ich bin in der Bremer Neustadt ziemlich fest verwurzelt“

Es gibt besondere Menschen im Stadtteil. Sie fallen auf, weil sie besonders präsent sind, sich für etwas engagieren oder in der Nachbarschaft aktiv sind. Einer dieser „Stadtteilköpfe“ ist André Stuckenbrok. Der Geschäftsführer des Vereins Musikszene Bremen hofft in unserem Interview auf einen Neustart der Kultur in der Hansestadt. Besonders auf das „Hellseatic“-Festival in Blumenthal und ein Konzert im Schlachthof freut er sich dabei besonders.


Hallo Andre, wo erwischen wir dich gerade?

Team Musikszene Bremen
André Stuckenbrok (rechts vorne) und sein Team der Musikszene Bremen. Finigan Rasch

André Stuckenbrok: Ich bin im Alten Zollamt Hansator in der Überseestadt und verwalte dort die Geschicke und Glücke der Musikszene Bremen. Die Zollkantine ist das Herzstück unseres Vereins. Dort finden Workshops, Partys und Konzerte statt. Besonders Bremer Bands können hier unkompliziert Konzerte veranstalten. Meine Stelle setzt sich aus Geschäftsführung des Vereins und Hausverwaltung des Gebäudes zusammen, und die Initiative ist gefördert vom Senator für Kultur in Bremen.

Was passiert dort jeden Tag?

André Stuckenbrok: Wir vermieten das Alte Zollamt als Proberäume für Bands. Zur Zeit sind es 43 Räume, die wir an über 320 Musikerinnen und Musiker zur Verfügung stellen. Wir sind seit Anfang an ausgebucht ohne einen Monat Leerstand.

Seit wann bietet ihr Bands diese Möglichkeiten vor Ort?

Zollamt Bremen
Das Alte Zollamt in der Überseestadt Bremen. Musikszene Bremen

André Stuckenbrok: Ich bin selbst Mitglied in einer Band, und wir sind zusammen mit vielen anderen Musikern 2007 aus dem Postamt am Hauptbahnhof rausgeflogen. Viele, die dort dann keine Heimat mehr hatten, haben einen Verein gegründet und das Zollamt gemietet, das zu dem Zeitpunkt leer stand.

Du spielst also selbst in einer Band?

André Stuckenbrok: Genau. Wir nennen uns Jean Paul Moustache und ich spiele Bass. Die letzten Jahre waren allerdings durch Babypausen und Corona-Pandemie verhältnismäßig ruhig. Wir haben uns jetzt aber für Ostern wieder verabredet und hoffen, dass nicht alles eingerostet ist.


„Wir planen für dieses Jahr alles ganz normal“


Überseefestival Hansator
Erfolgsprojekt der Musikszene Bremen: das „Überseefestival“. Musikszene Bremen

Du wohnst in der Bremer Neustadt …

André Stuckenbrok: Das ist richtig, ich wohne mit meiner Frau und vier Kindern in der Neustadt. Ein Kind ist bereits älter und ausgezogen. Ich bin dort ziemlich fest verwurzelt. Es ist ein junger, dynamischer Stadtteil mit einem akzeptablen Kulturangebot und guter geografischer Lage. Ich kann aber auch anderen Stadtteilen etwas abgewinnen. Woltmershausen ist beispielsweise meiner Meinung nach gerade stark im Kommen. In der Neustadt bin ich gern am Werdersee. Dort kann man gut etwas mit Kindern machen oder einfach nur entspannen.

Wie sieht euer Familienalltag aus?

André Stuckenbrok: Durch das Alter der Kinder von jung bis jugendlich sind die Interessen ganz unterschiedlich. Meine Frau und ich leben nicht die klassische Rollenverteilung, sondern arbeiten jeder 20 Stunden in der Woche. Ich habe fast zwei Jahre Elternzeit gemacht und übernehme viel Familienarbeit zu Hause.

Was passiert gerade in der Musikszene Bremen?

Zollkantine Bremen
Die Zollkantine dient inzwischen als Konzertsaal. Musikszene Bremen

André Stuckenbrok: Wir planen für dieses Jahr alles ganz normal. Wir gehen davon aus, dass wir die Festivals wie Breminale, „Summer Sounds“ und das „Überseefestival“ ohne Kontaktbeschränkungen durchführen können. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr wird. Es will sich niemand aus dem Fenster lehnen und Prognosen abgeben. Viele Events werden nachgeholt und die Menschen haben bereits Eintrittskarten. Mal schauen, wie viele Kapazitäten in den Terminkalendern noch übrig sind.

Hast Du ein persönliches Highlight?

André Stuckenbrok: Das ist schon das „Hellseatic-Festival“ in Bremen-Blumenthal, das wir in einer anderen Unternehmung organisieren. Dort spielt neben der weltweit bekannten Bremer Band Mantar ein weiteres tolles Line-up an Formationen, das sich in der Metal-Welt echt sehen lassen kann.

Schon Eintrittskarten am Kühlschrank kleben?

André Stuckenbrok: Absolut. Für Motorpsycho aus Norwegen am 5. Mai im Schlachthof. Das ist meine absolute Lieblingsband.

Können Leute sich in der Musikszene Bremen engagieren?

André Stuckenbrok: Absolut. Wir haben viele freiwillig Engagierte, die bei den Festivals mithelfen oder in der Vereinsarbeit unterstützen. Das Ehrenamt ist auch bei uns unentbehrlich. Interessierte können auch gern Vorschläge machen und Ideen vorbringen. Beispielsweise wurde so das Projekt WD*42 initiiert. Es schafft Angebote, mit denen sich Frauen und Mädchen in der Musikbranche sichtbarer und stärker machen.

Weitere Infos über die Musikszene Bremen erfahren Interessierte auf dieser Seite.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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